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Geschichte der

Feuerwehr Löwenhagen


Urkundlich ist es leider nicht mehr nachzuvollziehen, dass die Freiwillige Feuerwehr Löwenhagen im Jahre 1950 gegründet worden ist.

Anhand einiger eindeutiger Indizien und nach mündlicher Überlieferung u.a. auch von den Gründungsmitgliedern mag es das erste Märzwochenende 1950 gewesen sein, als die Idee und Initiative in “Beuermann´s alter Gaststube“ (Gaststätte Zum Niemetal) in die Tat umgesetzt und an der Löwenhäger Schule mit einem gemeinsamen Antreten der Übergang von der bestehenden Plichtfeuerwehr in die Freiwillige Feuerwehr Löwenhagen vollzogen wurde.

Diese ehemalige Plichtfeuerwehr, der alle männlichen Einwohner im Alter von 16 bis 60 Jahren angehörten, hatte den Feuerschutz per Gesetz gewährleistet.

Die Freiwillige Feuerwehr Löwenhagen ist damit 1950 geboren worden.

Alleine für die letzten 50 Jahre soll die Chronik der Feuerwehr in unserem Heimatdorf jedoch nicht geschrieben werden. Der Brandschutz mit der organisierten Feuerbekämpfung begann sicher viel früher.

Feuerwehren gab es sehr wahrscheinlich schon im Altertum, wenn sie auch damals anders organisiert waren als in der heutigen Zeit.

Solange das Feuer den Menschen und seine Werte bedroht hat, hat der Mensch versucht, mit Hilfe eigener Gegenstände und durch organisierte Maßnahmen die Feuerskraft zu zähmen und zu beherrschen. Dabei ergab sich folgerichtig das Bestreben, im gemeinsamen Handeln, wie es heute auch geschieht, der Katastrophen Herr zu werden. Gerade dieses gemeinsame Handeln und die gegenseitige Hilfe waren umso erfolgreicher, je planvoller sie durchgeführt wurden.

Die Feuerwehren sind seit daher seit altersher unentbehrlich.

Aber erst die Zeit zum Ende des 19. Jahrhunderts (im Jahre 1871 wurde in Mießen die erste Freiwillige Feuerwehr in Deutschland gegründet) kann man als die Zeit der Entwicklung der Feuerwehrwesens bezeichnen. In diesem Jahren wurden überwiegend in den größeren Städten und Gemeinden Freiwillige Feuerwehren gegründet. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Unterhaltung für die selbstständigen Gemeinden eine kostspielige Sache. Wahrscheinlich allein aus diesem Grund beschloss die Gemeindeversammlung Löwenhagens am 27.12.1901, den Brandschutzauf 5 jahre zusammen mit der Gemeinde Varlosen wahrzunehmen. Spritze und andere Feuerlöschgerätschaften bleiben Eigentum der Gemeinde Varlosen, welche sich verpflichtete,

“... selbstverständlich nur das Notwendigste anzuschaffen und dabei die Gemeinde Löwenhagen nicht dabei nur zum Bezahlen zu gebrauchen...“. Am 15. Februar 1906 war es dann soweit, die Gemeindeversammlung Löwenhagens beschloss: “... In der heutigen Gemeindeversammlung wurde einstimmig beschlossen eine eigene Feuerspritze anzuschaffen und von der Gemeinde Varlosen entbunden zu werden wenn es möglich ist, Herrn Landrath v Stockhausen zu bitten schon am 1. April 1906, denn 1907 iset der Spritzenverband zwischen Varlosen und Löwenhagendoch abgelaufen. Und das Kapital für die Spritze anzuborgen...“

Am 18.März 1906 wurde in einer weiteren Gemeindeversammlung beschlossen, 500 Mark von der Spar- und Darlehenskasse Varlosen zu 4% Zinsen für “... die Anschaffung der Feuerspritze, Spritzhaus und sonstiger Gerätschaften zu dem Feuerlöschwesen zu leihen.“

Darüber hinaus sollte der Mauermeister Ernst Bete eine Zeichnung über das Spritzenhaus an das Königliche Landratsamt und zum Bau des Spritzhauses einen Kostenvoranschlag einreichen. Dazu sollte die politische Gemeinde an die Weideberechtigten jährlich 2 Mark Pacht zahlen für den “Bauplatz des Spritzenhauses mit widerruflicher Kündigung.“ (Dieses ehemalige Spritzenhaus steht heute noch – von der Schulstraße umgesetzt – auf dem ehemaligen Grundstück von Böttger´s Wilhelm, heute Tennstedt´s Grundstück).

Ferner wurde beschlossen, bei der Firma Lemann & Wendenberg, Hannover, zu bestellen:

“30 Armbinden Mannschaft, 2 Armb Führer, 2 Armb Brandmeister, 6 Lederhelme, 4 Leibgurten, Leine, Beile, Beiltasche, Haken, 1 Signalhorn mit Schnur, 8 Signalpfeifen mit Schnur, 1 Rettungsleine mit Hake, 1 Lederschürze für Rossführer, 8 Laternen, 2 Rossführergurte mit Haken.“

Damit war die Ausstattung der Gemeindefeuerwehr Löwenhagen komplett!

Leider mussten diese Feuerlöschgerätschaften alsbald auch eingesetzt werden.

1913 wurde das Kurhaus an der heutigen Spießmühle durch Blitzschlag eingeschert, ohne dass die Feuerwehr erfolgreich löschen konnten.

In der nachfolgenden Zeit mussten weitere schwere Brände bekämpft werden, 1927 der Brand der Mühle am Haus Spießmühle, von der nur das Mühlrad stehen geblieben war.

1937 brannte Krüger´s Scheune an mehreren Ecken gleichzeitig. Die Brandbekämpfung wurde gemeinsam angegangen, die Männer verlegten die Schläuche, die Frauen standen an der sog. Schuckepumpe und pumpten Wasser aus dem angestauten Wassergraben/ Vorfluter zur Nieme südlich des Ortes ( jetzt nahe Varlosener Straße).

Am 07. April 1945 schossen die von Ellershausen einmarschierenden Amerikaner die Scheunen von Flachsbarts und Kämmerers im Brand.

Auch die ganzen Kriegsjahre über und davor war Albert Krüger Brandmeister/ Wehrführer der Pflichtfeuerwehr, vorübergehend auch Feuerlöschpolizeigenannt, in der sich per gesetzlicher Regelung alle noch anwesenden männlichen bewohner des Ortes befanden.

Abgelöst wurdeA. Krüger als Brandmeister später von Willi Jouvenal. In der Zeit fiel auch der Brand von Lotze´s Haus 1949.

Dann war es endlich soweit, die Freiwillige Feuerwehr Löwenhagen wurde im März 1950 gegründet. Nach mündlicher Überlieferung der befragten Feuerwehrsenioren waren Gründungsmitglieder u.a.

Walter Harzer, Willi Hildebrandt, Wilhelm Böttger (damals auch Bürgermeister), Fritz Böttger, Wilhelm Müller, Willhelm Kämmerer, Rudi Lotze, Willi Wagner, Erich Temme, Heini Jouvenal, Karl Allrutz, Karl-Heinz Allrutz, Herbert Allrutz...

Andere Namen, es sollen insgesamt ca. 20 Gründungsmitglieder gewesen sein, konnten nicht mehr überliefert werden.

Die Ausrüstung dieser Feuerwehr war immer noch dürftig, Ledereimer, Einreißhaken und die immer wieder von allen älteren Feuerwehrkameraden liebevoll genannte “Schuckepumpe“, eine Handdruckspritze, die im Brandfall überwiegend an der Nieme aufgestellt war, für 10 Personen, Gurt mit Seil, Kleidung gleich Selbstausrüstung mit, wenn vorhanden, Gummistiefel, gehörten dazu.

Die “Schuckepumpe“ wurde anfangs auf einem blau angestrichenen Gummiwagen transportiert, das war für unsere Feuerwehr die “blaue Minna!“

Mit der Anschaffung einer Motorspritze TS 6 im Jahre 1951, dazu war eine Darlehensaufnahme der Gemeinde Löwenhagen in Höhe von DM 600,- in der Haushaltssatzung vom 24.07.1951 festgeschrieben, stieg die Motivation der Feuerwehrkameraden stetig.

Schon der erste Wettkampf der Gruppe Mitte der 50er Jahre in Bühren erbrachte den 1. Platz, gegen alle Geübteren aus dem Nahbereich.

Dieses Erfolgserlebnis führte zu noch mehr Engagement und schon bald trat die Feuerwehr Löwenhagen mit zweit Gruppen bei den Wettkämpfen an, stets mit gutem Erfolg.

Kameradschaft, Freundschaft und Zusammenhalt im Dorf waren groß, dies belegen auch andere Aktivitäten, z.B. der gegründete, weithin bekannte “Karnevalsverein 1950 Löwenhagen.“

Im Treseken hatte man extra einen Freilichtplatz zum Feiern geschaffen, Drumherum standen sehr schöne hohe Bäume, suf der Buchenallee feierte man am “Rondell“ Krüger´s Gaststätte “Deutsches Haus“ und Berermann´s Gaststätte “Zum Niemetal“ geben Gelegentlich, im Rahmen des “Standgerichts“ gemachte Fehler bei den Übungen aufzuarbeiten und... wegzuspülen...!

Fehler wurden allerdings wenige gemacht, die Wehr war so erfolgreich, dass man an insgesamt vier Bezirkswettkämpfen in Grone, Einbeck und Stadtoldendorf mit gutem Erfolg teilnehmen durfte.

Überliefert ist auch eine Begebenheit, die nicht in die Reihe der Leistungsdaten passt: Nach einer Feuerwehrübung in Lippoldshausen fanden die Feuerwehrkameraden nicht mehr den Weg zurück, fuhren an der Weser herunter und landeten in Fürstenhagen, um dort einmal die Manöverkritik über die vollbrachte Leistung zu üben (die Frauen mussten “ihre Helden“ in Fürstenhagen wieder abholen). Inzwischen wurde die “Schuckepumpe“ nicht mehr auf der “blauen Minna“, sondern auf dem “Ochsenwagen“, einem LKW Mercedes der Firma Bete, transportiert (dieser LKW diente lange Jahre als Einsatzmittel der FFW Löwenhagen).

Weitere Löscheinsätze folgten in den Jahren, auch in unseren Nachbardörfern. So bei einem Scheunenbrand Pinke in Imbsen 1957. Diesen Einsatz für unsere Wehr leitete schon Brandmeister Wilhelm Kämmerer, Fahrer der Einheit war Heini Jouvenal, der am Brandherd angekommen durch die Polizei darauf aufmerksam gemacht wurde, dass er seinen Brandmeister unterwegs verloren hatte. Was war passiert? Wilhelm Kämmerer war bereits in der ersten Kurve nach der Niemebrücke in Löwenhagen vom LKW gefallen, kein anderer hatte dieses bemerkt, und so kam die Wehr ohne Brandmeister zum Brandort, Kämmerer´s Wilhelm hatte sich übrigens nach eigener Aussage nicht ernsthaft verletzt.

Vor einem der mehrfach aufgetretenen Brandgroßeinsätze im Holzwerk Niemetal in Imbsen (u.a. je 2 1959 und 1965) hatte unsere Wehr an diesem Tag erst gute Löscharbeiten bei einem Brand in Ellershausen geleistet, dann ihren eigenen Brand gelöscht, bevor der Alarm aus Imbsen einging.

Hier waren die Kameraden sehr praxisorientiert. - Denn, plötzlich waren zwei Stahlrohre an einem Schlauch. Die Löwenhäger hatten in der Aufregung an den Verteiler der Imbser angeschlossen und konnten “Wasser marsch1“ geben, die Imbser nicht.

Hochwasser, Wohnungsbrände, auch in den Nachbargemeinden, Wohnwagenbrände, Waldbrände und sonstige Hilfeleistungen forderten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Löwenhagen in den Folgejahren.

Nach getaner Löscharbeit oder zu Besprechungen wurden die Gasthäuser “Zum Niemetal“ oder “Deutsches Haus“ aufgesucht, oder aber das Campinghaus. Diese Gaststätte immer dann, wenn man von einer Übung zurückkam und noch in Uniform oder Drillich weiterüben wollte (man sollte ja als Feuerwehrmitglied auch in Kleidung retten können...). Diese Prüfung sah dann so aus, dass Freiwillige mit dem Fahrrad auf der Schwimmbadmauer entlangfahren mussten. Wer dies nicht mehr schaffte, zu fortgeschrittener Stunde aus welchen Gründen auch immer, fiel automatisch ins Schwimmbecken.

Die Kameradschaft wurde groß geschrieben! Alljährlich veranstaltete Feuerwehrbälle, anfangs noch zusammen mit dem bald abgemeldeten Gesangsverein, zeugen davon. Der Feuerwehrball war neben der ebenfalls von der Feuerwehr veranstalteten Kirmes das gesellschaftliche Ergebnis des Jahres in Dorf.

Heute sind Dorf-, Viereck- und Straßenfest hinzugekommen, eine kritische Anmerkung sei erlaubt, das Angebot übersteigt mitunter den Bedarf.

Mit der Verwaltungs- und Gebietsreform in den Jahren 1972/73 ist die Verantwortlichkeit des Feuerwehrwesens von den ehemals eigenständigen Gemeinden in die Zuständigkeit der Samtgemeinde Dransfeld übergegangen. Ein krasser Schnitt, der allerdings mit einer Verbesserung der Ausrüstung der Feuerwehr Löwenhagen verbunden war.
 

1974 konnten die Feuerwehrkameraden das erste Kraftfahrzeug, einen VW Bulli in Empfang nehmen, anfangs mit TS 6, später mit der TS 8 mit automatischer Ansaugvorrichtung, 600/800 1/Minute bei max. Ansaughöhe von 7,5 m.

Ein für unsere Wehr ganz wichtiges Jahr war 1975, das Gründungsjahr der Jugendfeuerwehr.

Mitgründer dieser Wehr waren im Mai der Jahres Friedel Harnisch und Reiner Horn, die auch die Aufgeben des Jugendwarts übernahmen.

Ein Großereignis waren auch die Feierlichkeiten aus Anlass der 30jährigen Bestehens der FFW Löwenhagen 1981 mit großem Festumzug, Kommers und der Ernennung von Wilhelm Kämmerer zum Ehrenbrandmeister.

Am 27. November 1987 bekam unsere Wehr ein neues Feuerwehrauto, ein Tragkraftspritzenfahrzeug Mercedes, das heute noch unser Löschfahrzeug ist.

1990 wollte man endlich größere Schulungs- und Aufenthaltsräume für die Feuerwehrkameradinnen und -Kameraden schaffen. Erste Pläne wurden für den Umbau der Räume der ehemaligen Sparkasse zu einem Dorfgemeinschaftsraum und Schulungsraum für die Feuerwehr geschmiedet und schon im März 1991 konnte man mit den umfangreichen Umbauarbeiten beginnen. Großen Anteil an Planung und Umsetzung hatte vor dem Hintergrund der großen Bereitschaft der Löwenhäger zur Eigenleistung der damalige Brandmeister Peter Müller, der unermüdlich organisierte und regelte, bis unser Dorfgemeinschaftsraum und Feuerwehrgerätehaus am 20.Dezember 1991 feierlich eingeweiht werden konnte.

Zum Schluss dieser kleinen Chronik sei der Leser von den Verfassern. Die nicht bzw. nicht mehr der aktiven Gruppe angehören, noch auf eines hingewiesen:

Die wenigsten Löwenhäger sind sich vermutlich darüber im klaren, dass ihre Freiwillige Feuerwehr ihnen auch heute noch eine Pflichtaufgabe abnimmt, denn in § 14 des Nds. Brandschutzgesetzes ist nach wie vor geregelt, dass eine Plichtfeuerwehr aufzustellen ist, wenn eine Freiwillige Feuerwehr nicht mehr existiert oder die erforderliche Mindeststärke nicht erreicht wird.

Möge die Stärke der aktiven Gruppe immer ausreichend sein.
 

Die Freiwillige Feuerwehr Löwenhagen ist zwar kein Verein, leistet aber mit ihren Veranstaltungen und Freizeitangeboten einen wichtigen Beitrag zum wichtigen kulturellen Leben in Löwenhagen.

Neben der herzlichen Gratulation zum 50jährigen Jubiläum steht deshalb der Wunsch, dass sich auch in Zukunft Männer und Frauen in unserem Heimatdorf finden, die mit Einsatzfreude und tief verwurzelt in der Ehrenamtlichkeit den vielfältigen Aufgaben in der Feuerwehr widmen.

 

Zusammengefasst von der Kameradin Stefanie Thiele